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06.03.16
Konzert mit AQUABELLA

23.03.2006 - Aktion "Stolpersteine" in Fritzlar

Am Donnerstag, dem 23. März, kam Gunter Demnig zum zweiten Male nach Fritzlar, um weitere Stolpersteine  zu verlegen. Mit diesem „Denkmal von unten“, wie er seine Stolpersteine auch bezeichnet, wird an die Menschen erinnert, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt und ermordet wurden. In Fritzlar gab es keine Opfer unter Behinderten, Homosexuellen, Priestern, Sinti oder Roma – Opfer gab es hier nur unter der jüdischen Minderheit. Insgesamt wurden 71 jüdische Fritzlarer deportiert und in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet.

Parallel zu dem zweiten Verlegungstermin von Gunter Demnig hatte Pfarrer i.R. P.G. Lohmann ein Programm für die jüdischen Gäste, die aus den USA, England und Belgien angereist waren, erstellt. Dazu gehörte eine Wanderung zum Davidsstern an der Brücke am Wehr. (Der Stern gehört zu den Kunstobjekten des ars natura-Pfades, er wurde aus weissen Steinen geformt und ins Wasser der Eder gelegt. Motto: „versunkenes und überspültes jüdisches Leben.“ Dieses Kunstobjekt wurde von Hiltrud Peterova geschaffen). Anschliessend gingen die Wanderer zum jüdischen Friedhof, wo der Kaddisch – das Totengebet – gesprochen wurde.
Danach begann im Hardehäuser Hof ein vom Kulturverein organisiertes, geselliges Beisammensein, an dem die jüdischen Gäste und erfreulich viele Fritzlarer teilnahmen. Zunächst sprach Gunter Demnig über seine Erfahrungen beim Verlegen der Stolpersteine in ca 60 deutschen Städten. Die Erfahrungen sind fast ausschliesslich positiv – die Älteren erinnern sich an ihre früheren jüdischen Mitbürger, und die jüngeren fragten sich, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Danach stellten Schülerinnen und Schüler der Ursulinenschule Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit eben dieser Thematik vor: es begann mit Demütigung und Ausgrenzung, es folgte die Entrechtung, der letzte Akt waren Deportation und Ermordung.
Pfarrer Lohmann sprach über jüdische Positionen zu der Frage, wie man angesichts des Holocaust an Gott glauben könne.

Die Sängerin Rita Siegmann und ihr virtuoser Akkordeon-Begleiter Nikolaj Awramtschuk leiteten zum zweiten, leichteren Teil des Abends über. Ihr musikalischer Beitrag trug sehr zum guten Gelingen der Veranstaltung bei. Ritas anmutiger Gesang animierte Herrn Eric Marc zu einer solistischen Tanzeinlage. Die Stimmung war entspannt, fröhlich, nicht zuletzt dank des üppigen Buffets, das Frau Agnes Tauber (Schlemmerladen) bereitgestellt hatte.